Das Abmischen eines Songs ist nicht immer einfach. Das Abmischen eines ganzen Albums dahingegen kann sich manchmal wie ein Ding der Unmöglichkeit anfühlen, vor allem wenn man einen homogenen Sound erreichen möchte.

Das ist ein Problem, was sich viele Heimproduzenten teilen (ich auch). Also sind hier sechs Tipps, welche uns dabei helfen, eine gewisse Gleichmäßigkeit beim Abmischen zu erreichen.

1. Bestimme die Hauptelemente des Albums

Bevor du mit dem Abmischen beginnst, ist es eine gute Idee, herauszufinden, was die Hauptelemente des Albums sein sollen. So wirst du von Track-zu-Track einen homogeneren Sound erreichen.

Soll der Gesang den Hauptfokus der Hörer darstellen? Bist du ein Gitarrist und willst einfach nur deinen kranken shredding Skills raushauen? Sollen sich deine Beats und Basslines in den Ohren deiner Hörer festsetzen?

Wenn du dich erstmal für die Hauptelemente entschieden hast, kannst du jeden Song mit demselben Ansatz abmischen.

Allerdings sollte dabei erwähnt werden, dass das Kopieren und Einfügen der Mixing Einstellungen auf jeden Song keine gute Idee ist. Stellen wir uns einmal vor, dass du einen Song genau nach deinen Vorstellungen abgemischt hast. Die Hauptelemente sind im Fokus und der Mix ist absolut homogen.

Es ist einfach zu verlockend, die Einstellungen der Effekte, Lautstärke und Panoramaverteilung, sowie die Plugins, zu Kopieren und in alle anderen Songs einzufügen. Fang stattdessen von vorne an und wiederhole den Prozess.

Auch wenn du zum Beispiel den Gesang für zwei verschiedene Songs in einer Sitzung mit demselben Mikrofon, auf derselben Stelle, aufgenommen hast, kann sich das aufgenommene Material anders anhören. Dabei hängt viel von der individuellen Performance ab, weswegen die nötigen Kompressions- und EQ-Einstellungen variieren werden.

Jeden Song auf dieselbe Art und Weise anzugehen, ohne die Mixing Einstellungen zu kopieren, stellt sicher, dass dein Album so homogen wie nur möglich klingen wird.

2. Misch mehrere Songs gleichzeitig ab

Ein Klangtechnisch zusammenhängendes Album hört sich an, als wäre es an einem Tag im selben Raum aufgenommen und abgemischt worden. In der Realität passiert das allerdings meistens nie, aber es klingt so, weil der Tontechniker ganz genau weiß, was er tut.

Als Heimproduzent nimmst du wahrscheinlich alles in demselben Raum auf. Das ist ein guter Anfang. Du wirst aber vielleicht nicht die Zeit haben, um alle Songs so schnell wie die Techniker in einem großen Tonstudio abzumischen.

Ein Trick ist hierbei, mehrere Songs gleichzeitig abzumischen. Das bedeutet, immer wieder zwischen verschiedenen Songs hin und her zu wechseln, statt dich Song für Song vorzuarbeiten. Dadurch verlierst du weniger schnell den Fokus auf das große Ganze während du abmischst, unabhängig davon, wie lange das Abmischen des ganzen Albums dauert.

Wenn du jeden einzelnen Track nacheinander abmischst, kann es sein, dass sich der letzte Song klangtechnisch extrem von dem Rest unterscheidet. Erst dann wird dir bewusst werden, was du falsch gemacht hast, und dann wirst du die Einstellungen jedes einzelnen Songs erneut angleichen müssen.

Ich habe die meisten meiner letzten Alben mit dieser Methode abgemischt und fand es super hilfreich dabei, um das Gesamtbild homogener klingen zu lassen.

3. Benutze dieselben Plugins

Dieselben Plugins oder auch Plugin Einstellungen über mehrere Songs hinweg zu benutzen, kann dabei helfen, dein Album homogener klingen zu lassen. Klar, du solltest immer darauf achten, dass der benutzte Effekt zu dem Song passt. Es ist allerdings gut im Hinterkopf zu behalten, dass das Benutzen derselben Sounds über ein Album hinweg, das Album zusammenhängender klingen lässt.

Ein Freund von mir, welcher Tontechniker ist, hat mir zum Beispiel mal geraten, bei jedem Song einen subtilen Hall auf jedes einzelne Instrument / Gesang zu legen. Ich habe darauf einen Reverb Bus bei -20 dB bis -30 dB erstellt, und jede einzelne Spur durch diesen Bus geschleust. Der Reverb war kaum hörbar, aber wenn jeder Track in einem Projekt diesen leisen Reverb besitzt, kommt alles zusammen und klingt voller.

Das habe ich daraufhin bei jedem einzelnen Song des Albums angewendet, wobei ich die Lautstärke des Busses für jeden Song individuell angeglichen habe. Immer dasselbe Reverb Plugin, dieselben Einstellungen, und eine ähnliche Lautstärke. Das hat wirklich dabei geholfen, die Songs homogener klingen zu lassen.

Wenn du erst einmal für ein bestimmtes Instrument ein Plugin mit entsprechenden Einstellungen gefunden hast, kannst du diese Vorlage in anderen Songs für dasselbe Instrument benutzen. Das kann eine gute Basis sein, welche du dann für den entsprechenden Song individualisieren kannst.

4. Benutze einen Referenztrack

Einen Referenztrack zu benutzen, bedeutet im Grunde, dass du eine Kommerzielle Aufnahme mit deinem Mix vergleichst. Obwohl das an sich einfach klingt, gibt es dabei ein paar Punkte, welche man beachten sollte.
Lautstärke angleichen

Wenn du mit einer Referenz abmischst, sollte der Hauptfokus auf den Lautstärkeverhältnissen liegen. Du wirst die Lautstärkeeinstellungen deines Mixes mit denen der kommerziellen Aufnahme angleichen wollen. Ein Großteil der Lautstärke kommt vom Mastering, deswegen solltest du deinen gemasterten Song mit dem kommerziellen Song vergleichen, und dann, wenn nötig, dementsprechende Änderungen im Mix vornehmen.

Achte auf deinen EQ

Wenn du mit einem visuellen EQ arbeitest, schau einmal auf die Darstellung, insbesondere auf die beiden Enden des Frequenzspektrums. Ist das tiefe oder hohe Frequenzspektrum besonders Präsent? Mixing Anfänger setzen den Fokus oft viel zu sehr exklusiv auf die höhen oder tiefen. Natürlich sollte der Unterschied definitiv hörbar sein. Den Unterschied im Vergleich zu einem Referenztrack optisch zu sehen, kann allerdings echt hilfreich sein.

Benutze deinen eigenen Track als Referenz

Wenn du erst einmal einen Song von deinem Album abgemischt hast (zum Beispiel die erste Single), und er so klingt, als könnte er auf derselben Spotify Playlist wie dein Referenztrack sein, benutze ihn als Referenz für deine anderen Songs. Du wirst wohlmöglich deinen Song mastern müssen, um ihn als Referenz benutzen zu können.

Diese Methode hilft einem dabei, die Songs auf einem Album homogen klingen zu lassen, so als würden sie wirklich zusammengehören.

5. Schleife deine Spuren durch einen Bus

Als ich gelernt habe, mit Bus Spuren zu arbeiten, hat sich meine Mixing Welt komplett umgedreht – auf eine gute Art und Weise. Einen Bus zu benutzen, bedeutet im Grunde, mehrere Spuren durch eine separate Spur in deiner DAW zu schleifen, auf welcher einer oder mehrere Effekte liegen.

Wenn du zum Beispiel denselben Reverb auf mehrere Spuren anwenden möchtest, musst du ihn nicht auf jede einzelne Spur anwenden. Schleife sie einfach alle durch einen Bus, auf welchem der gewünschte Reverb angewendet ist, und schon hast du denselben Reverb auf allen Spuren.

Oder du benutzt verschiedene Mikrofone, um dieselbe Quelle aufzunehmen, und willst auf jede Spur denselben Kompressor anwenden. Schleife die Spuren einfach durch eine einzelne Bus Spur mit dem entsprechenden Kompressor.

Diese Methode ist einfacher, bedeutet aber auch, dass dein Computer und deine DAW entlastet werden und nicht so viele Rechenprozesse auf einmal ausführen müssen.

6. Mastere dein Album

Nachdem du dein ganzes Album abgemischt hast und alle Songs homogen klingen, musst du deine Songs für den Mastering Prozess vorbereiten. Mastering ist der letzte Schritt auf dem Weg zu einem professionellen Endergebnis. Es ist ein Prozess, bei welchem dein bereits gut abgemischter Track mit verschiedenen Effekten wie EQ, Kompression und Sättigung aufpoliert wird.

Beachte die folgenden Punkte, wenn du deine Songs optimal für das Mastering vorbereiten möchtest:

  • Benutze beim Abmischen einen Referenztrack (Siehe „Benutze einen Referenztrack“).
  • Mach die Drums und den Gesang zum lautesten Teil deines Songs. Der Gesang ist meistens das wichtigste Element in einem Song, wobei Drums ihm Groove verleihen.
  • Entferne unnötige Informationen aus dem unteren Frequenzspektrum. Wende mit deinem EQ einen low cut auf alle individuellen Spuren an und entferne langsam alle unhörbaren Frequenzen, welche einen Mix unnötig überladen.
  • Lass genug Platz nach oben. Wenn du dein Album durch eMastered mastern möchtest, lass ungefähr 6 dB Headroom.
  • Wende keine Effekte auf die Master Spur an. Die meisten Heimproduzenten sind mit Mastering nicht vertraut genug, um richtig Effekte auf die Master Spur anzuwenden. Es ist also besser, die Master Spur nicht anzurühren.
  • Wenn du deine Tracks für das Mastering exportierst, benutze das bestmögliche Dateiformat (eine unkomprimierte WAV, bis zu 48k / 32 Bit).
  • Misch mit einer Raumkorrektions Software. Diese Art von Programm analysiert das Frequenzspektrum deines Studios und benutzt einen EQ, um den Raum dementsprechend auszugleichen.
Wenn du all diesen Tipps folgst, solltest du kein Problem mehr damit haben, einen gleichmäßigen Sound über dein ganzes Album hinweg zu erreichen.

Caleb J. Murphy

Caleb J. Murphy is a songwriter and producer based in Austin, TX.