Akustikbehandlung kann ganz schön überfordernd sein, vor allem wenn man gerade erst angefangen hat, in den eigenen vier Wänden aufzunehmen. Welche Materialien kann man benutzen? Wo platziere ich diese dann? Und wie finde ich heraus, ob mein Aufnahmeraum diese Behandlung überhaupt braucht?

All diese Fragen beantworten wir dir hier in diesem leicht verständlichen Leitfaden. Das sind nämlich die Fragen, auf die du Antworten brauchst, um das Beste aus deinen Aufnahmen heraus zu kitzeln.

Ein großartiger Mix, ein großartiges Master und ein großartiger Song beginnen mit dem technischen Prozess, und Akustikbehandlung ist bei der Aufnahme gut klingender Songs ein wesentlicher Aspekt.

Warum ist sie so wichtig? In einem unbehandelten Raum können Töne verzerrt klingen. Schallwellen kommen aus den Monitorboxen, prallen an den Wänden ab und verfälschen damit den Sound auf dem Weg zu deinen Ohren. Manche Töne werden dabei zu laut und andere zu leise erscheinen, was das eigentliche Abmischen erheblich erschweren kann.

Dein Ohr fürs Abmischen kann noch so gut sein, wenn du aber in einem unbehandelten Raum bist, wird dir das nur wenig bringen. Der Sound, den du hörst, wird verfälscht klingen, genau wie der Mix, der am Ende dabei herauskommt.

Also lass uns über Akustikbehandlung reden…

Wie bewegt sich der Ton durch den Raum?

Bevor wir über die eigentliche Akustikbehandlung reden, ist es definitiv gut zu wissen, wie sich Schallwellen bewegen.

Wenn du einen Ton erzeugst (singen, Gitarre anschlagen, etc.), bewegen sich die Schallwellen ausgehend von der Quelle in alle Richtungen. Manche dieser Wellen bewegen sich in Richtung des Mikrofons – auch „direkter Ton“ genannt.  Der Rest der Schallwellen bewegt sich nach dem Zufallsprinzip durch den Raum. Viele dieser Schallwellen kehren irgendwann zum Mikrofon zurück – auch „reflektierter Ton“ genannt.

Demnach ist der direkte Ton, welcher ohne Umwege in das Mikrofon gelangt, die genaueste Repräsentation der eigentlichen Quelle. Wenn sich allerdings der reflektierte Ton einmischt, wird sich mit jeder Schallwelle der resultierende Ton der Aufnahme verändern.

Abhängig von Größe und Form deines Raums und davon, ob du ihn akustisch behandelt hast, kann diese Veränderung ziemlich drastisch sein. Größere Räume sind generell besser, da die Schallwellen mehr Platz haben, um sich auszubreiten und demnach viel länger brauchen, bis sie wieder beim Mikrofon ankommen, wenn sie das überhaupt tun.

Wahrscheinlich hast du keinen Raum mit einer richtig hohen Decke. Also ist es an der Zeit, herauszufinden, ob, wie viel, und welche Behandlung dein Raum benötigt.

Wie du herausfindest, ob dein Raum Akustikbehandlung benötigt

Bevor du entscheidest, welche Materialien zur Behandlung du dir zulegst, wirst du erst einmal den Klang deines Raums testen müssen. Du wirst vielleicht bereits vom „Klatschtest“ gehört haben.

Beim Klatschtest läufst du durch deinen Raum und klatschst so laut du kannst. Geh dabei in jede Ecke und and jede Wand, während du auf den Nachhall achtest. Hört er sich dünn oder zu bass lastig an? Wo ist er am stärksten?

Kleinere Räume besitzen häufig ein hochfrequentiertes Flattern, wobei große Räume meistens einen eher vollen und angenehmen Nachhall besitzen. Je mehr Flattern du hörst, desto mehr Absorption wirst du brauchen – das wird den Klang trockener machen, was in dem Fall gut ist. Du kannst im Nachhinein immer mit einem Plugin Hall hinzufügen, wobei das Entfernen von natürlichem Hall fast unmöglich ist. Je größer der Raum ist, desto weniger Behandlung benötigt er in der Regel.

Es kann auf jeden Fall helfen, den Klatschtest in verschiedenen Räumen durchzuführen, um ein Gefühl für die verschiedenen Klänge zu bekommen. Versuchs mal im Badezimmer deines reichen Kumpels, du wirst den Unterschied definitiv hören.

Die drei Problemzonen deines Raums

Wenn du deinen Raum behandelst (keine Sorge, dazu kommen wir sofort), gibt es 3 Zonen, um die du dich als erstes kümmern solltest: dreiflächige Ecken, zweiflächige Ecken, und die Wände.

Bei dreiflächigen Ecken treffen die Wände auf den Boden und die Decke (zwei Wände + Decke = dreiflächig). Bei zweiflächigen Ecken treffen sich nur die beiden Wände (zwei Oberflächen = zweiflächig).

Generell kann man sagen, dass dreiflächige Ecken erste-, zweiflächige Ecken zweite- und Wände dritte Priorität besitzen. Die Schlussfolgerung dahinter: Je mehr Ecken sich treffen, desto mehr Oberflächen gibt es, an denen Schallwellen abprallen können.

Das A und O der Akustikbehandlung

Okay, jetzt kommen wir zu den Grundlagen der Akustikbehandlung.

Die Hauptelemente sind hierbei die Absorption und die Diffusion. Diese beiden Methoden der Akustikbehandlung helfen dabei, den reflektierten Ton zu reduzieren, was dazu führt, dass mehr vom direkten Ton übrigbleibt. Das ermöglicht dir dann im Endeffekt eine bessere Aufnahme.

Die 4 Hauptelemente der Absorption und Diffusion sind Bassfallen, Akustikplatten, Diffusoren und Stimmreflexionsfilter.

Bassfallen

Bassfallen sind das Erste, was du dir bei der Akustikbehandlung anschaffen wollen wirst – sie machen sich hauptsächlich beim Abmischen bemerkbar. Bassfallen können vielleicht etwas teuer sein, machen aber einen enormen Unterschied, indem sie Tiefe Frequenzen „einfangen“ (daher der Name) und teilweise auch höhere Frequenzbereiche ausgleichen.

Bassfallen platziert man in dreiflächigen Ecken eines Raumes, denn in diesen bauen sich tiefe Frequenzen besonders auf, bevor sie zum Mikrofon zurückkehren. Dabei sollte man darauf achten, die Bassfallen so weit wie nur möglich in der Ecke zu platzieren.

 

Akustikplatten

Als nächstes widmen wir uns den Akustikplatten, welche dabei helfen, den mittleren- bis hohen Frequenzbereich beim Aufnehmen und Abmischen zu kontrollieren.

Als erstes platziert man diese direkt hinter den Studiomonitoren. Danach werden die zweiflächigen Ecken des Raumes abgedeckt, wobei etwas Platz zwischen der Platte und der Ecke gelassen werden sollte, was dabei hilft, noch ein bisschen mehr vom tiefen Frequenzbereich zu kontrollieren.

Wenn diese Bereiche behandelt wurden, werden die restlichen Platten an den Wänden angebracht. Ein guter Ausgangspunkt sind hierbei die Wände, welche sich parallel zu deinen Ohren befinden, als auch die Wand, welche sich direkt hinter dir befindet. Versuch dabei, den Abstand der Platten zueinander so gleichmäßig wie möglich zu halten und bringe die Platten, wenn möglich, an parallelen Wänden an.

 

Diffusoren

Diffusoren sind hauptsächlich für größere Räume gedacht und sind in kleinen Räumen nicht immer notwendig. Die meisten Heimproduzenten haben kleinere Räume (meistens mit natürlichen Diffusoren, wie einem Bücherregal, Kleiderschrank oder Bett) und kleinere Budgets (Diffusoren sind teuer).

Wenn du allerdings einen Großen Raum hast und etwas Geld übrig, kannst du an den oberen Bereichen der Wand und an der Decke Diffusoren anbringen.

 

Stimmreflexionsfilter

Wenn du einen kleinen Aufnahmeraum besitzt, kann ein Stimmreflexionsfilter einiges bringen. Dabei handelt es sich um diese halbkreisförmige Platte, welche so oft hinter einem Mikrofon angebracht ist.

Der Sinn dahinter ist, die Schallwellen, welche aus deinem Mund austreten, direkt zu absorbieren und damit den reflektierten Ton im Raum zu reduzieren. Dieser Filter macht im Grunde dasselbe wie eine Akustikplatte, er fängt den Sound nur viel eher ein.

Alternative Akustikbehandlung

Die meisten Leute, die das hier lesen, haben möglicherweise gar nicht so viel Geld für Akustikbehandlung zur Verfügung. Hier sind ein paar Geldbeutel freundlichere Alternativen zur Akustikbehandlung.
DIY-Akustikbehandlung

In erster Linie kannst du, wenn du dir keinen Stimmreflexionsfilter leisten kannst, einfach Sachen benutzen, die du bereits besitzt, wie zum Beispiel eine Bettdecke, welche am Türrahmen aufgehangen wird, eine aufgestellte Matratze, oder einen Kleiderschrank voller Klamotten. Positioniere das Mikrofon einfach 10-25 cm entfernt vor den DIY-Absorber, das sollte bereits helfen.

Du kannst auch einfach deine Wände mit dicken Decken auskleiden und kleine Kissen hinter deinen Monitorboxen platzieren.

Ein anderer Trick ist, dynamische Mikrofone, statt Kondensator Mikrofone zu benutzen, da diese weniger empfindlich sind. Das bedeutet, dass dynamische Mikrofone nicht so stark von reflektiertem Ton beeinflusst werden, auch wenn sie nicht so schön klingen wie Kondensator Mikrofone.

Im Großen und Ganzen ist es besser, deinen Aufnahmeraum so tot wie möglich klingen zu lassen und so viel direkten Ton einzufangen wie nur möglich. Hall kannst du später immer noch mit einem Plugin hinzufügen.

 

Akustikbehandlungs-Software

Wusstest du eigentlich, dass die Kopfhörer, mit denen du abmischst, den Ton färben? Genau wie deine Studiomonitore.

Deswegen sollte man vielleicht eine Akustikbehandlungs-Software wie Arc oder Sonarworks in Betracht ziehen. Sonarworks entfernt zum Beispiel die Färbung von deinen Kopfhörern und/oder deinen Studiomonitoren, wodurch du mit einem von Grund auf genaueren Sound arbeiten kannst.

Damit werden die schmeichelnden Lügen deiner Kopfhörer entfernt. Und wenn du sicher gehen willst, dass dein Raum das Abmischen nicht beeinflusst, kann eine Akustikbehandlungs-Software richtig helfen.

Was auch immer du tust, tu etwas, um deinen Raum und somit auch deine Aufnahmen besser klingen zu lassen. Du wirst die Zeit und das bisschen Geld, welches du dafür investierst, nicht bereuen.

Caleb J. Murphy

Caleb J. Murphy is a songwriter and producer based in Austin, TX.