Unterschätze nicht die Wirkung einer großartigen Bridge, wenn du deinen nächsten Song schreibst. Sie kann ein ganz neues Gefühl erzeugen, ein neues Kapitel in der Geschichte deines Songs erzählen und, am allerwichtigsten, deine Hörer fesseln.

Nicht jeder Song braucht eine Bridge – es gibt genug erfolgreiche Songs, welche nur aus Strophen und Refrains bestehen – aber in vielen Fällen macht eine gut geschriebene Bridge den Unterschied zwischen einem guten und einem großartigen Song aus.

Eine effektive Bridge für deinen nächsten Song zu schreiben ist einfacher als du möglicherweise denkst. Mit diesen Songwriting Tipps kannst du eine Bridge entwickeln, welche deine Hörer den gesamten Song über fesseln wird.

Was ist eine Bridge?

Die Bridge ist eine Sektion, welche neue und musikalisch abweichende Elemente zu deinem Song hinzufügt und üblicherweise als nötige Entwicklung für den Hörer benutzt wird.

Es gibt keine Regeln für die Platzierung einer Bridge bezüglich der Struktur des Songs, aber in der Popmusik wird sie normalerweise nach dem zweiten Refrain eingesetzt. Zu dem Zeitpunkt hat sich der Hörer bereits an die Strophen und Refrains gewöhnt und ist bereit, etwas Neues zu hören.

Eine Bridge sollte einen Kontrast zu den anderen Teilen deines Songs darstellen – dieser Kontrast kann durch einen Dynamikwechsel, Wechsel der Melodie, Tonverschiebung oder auch einen Tonartwechsel erzeugt werden. Diese Sektion soll als eine Art Knoten (oder Brücke) für die Geschichte deines Songs dienen und zusätzlich ein neues Gefühl mit ins Spiel bringen.

Wie du die Bridge schreibst und einsetzt, ist dir und deiner Kreativität freigestellt – und wenn du erstmal diese Tipps und Tricks in deinem Werkzeugkasten hast, kannst du sie zu deinem Vorteil nutzen!

1. Bringe eine neue Hook mit ins Spiel (oder direkt mehrere)

Wir wissen alle, dass die besten Popsongs für ihre eingängigen Hooks bekannt sind, welche einem einfach nicht aus dem Kopf verschwinden wollen und einen dazu bringen, wieder und wieder zu dem Song zurückzukehren. Meistens ist die Hook im Refrain zu finden, oder wird vorerst als instrumentale und gesangslose Hook im Intro vorgestellt. Du kannst die Hook aber auch als fantastisches Mittel benutzen, um deine Bridge interessanter zu gestalten.

Einer der besten Popsongs des letzten Sommers ist (meiner Meinung nach) Katy Perry’s ‘Never Really Over.’ Dieser Song feuert eine Hook nach der nächsten ab, wobei sich die eingängigste im Refrain befindet. Wenn der Song sich zur Bridge hin bewegt, verändern sich die Akkorde und Dynamik nicht, aber eine neue Hook fesselt den Hörer weiterhin.

Der erste bemerkenswerte Wechsel in dieser Bridge Hook bezieht sich auf die Rhythmen. Perry wechselt von dem Zungenbrecher mäßigen 16tel Noten Rhythmus der Refrain Hook zu einem triolischen Viertelnoten Rhythmus, welcher den Lyrics Zeit zum Atmen gibt und die Emotionen des Songs festigt (“thought we kissed goodbye, thought we meant this time was the last”).

Diese Hook ist gefolgt von einer Wiederholung einer Zeile aus einem Teil, welcher kurz vor dem Refrain angeschnitten wird (“I guess it’s never really over”), wobei die Lyrics nun durch eine Melodie verstärkt werden. Dies fügt die Sektionen auf eine Elegante Art und Weise zusammen und bringt eine bekannte Zeile zurück ins Spiel, während ein Wechsel gegeben wird, welcher gerade eben ausreicht, um den Song interessant zu halten.

Um das alles zu verknüpfen, wird im Endeffekt die Bridge Hook ein letztes Mal nach dem letzten Refrain ins Spiel gebracht, um das Lied zu beenden. Bridges auf diese Art und Weise zu schreiben kann sehr Effektiv sein, da die Bridge nicht als einmalige Komponente des Songs gesehen wird, sondern als wesentliche Hook, welche den Song zu dem macht, was er ist.

2. Verändere die Dynamik

Jeder Song sollte, unabhängig davon, ob er eine Bridge hat oder nicht, Dynamikwechsel beinhalten. Das Wort Dynamik bezieht sich auf die Lautstärke der Sektionen, Phrasen und Noten eines Musikstücks. Ein Dynamikwechsel in einer Sektion kann diese Lauter oder Leiser als die vorherige oder folgende Sektion klingen lassen. Dies gibt deinem Song einen gewissen Spannungsbogen und hilft dabei, die Emotionen, die du ausdrücken möchtest, besser rüberzubringen. Ein oder mehrere Dynamikwechsel können überall in deinem Song eingesetzt werden, je nachdem wo du als Songwriter fühlst, dass es Sinn macht. Wenn du allerdings nach einem Weg suchst, deine Bridge zu entwickeln, ist das auf jeden Fall ein guter Startpunkt.

Wenn du einen Energiegeladenen Song mit vielschichtigen Synths und pulsierenden Drums hast, versuche ihn in der Bridge etwas herunterzufahren, möglicherweise mit nur einem Piano und Gesang oder einer gedämpfteren Produktion. Wenn du eine sanfte Klavierballade hast, dann fahr die Bridge vielleicht etwas mit schnelleren Rhythmen und kraftvollem Gesang hoch.

Ein gutes Beispiel für Dynamikwechsel in der Bridge kann in Fifth Harmony’s ‘Sledgehammer’ gefunden werden (mitunter von Superstar Künstler und Songwriter Meghan Trainor geschrieben). Der Refrain explodiert förmlich mit der Kraft aller fünf Sänger, begleitet von kraftvollen Synths und EDM-inspirierten Drum Beats. Am Ende des zweiten Refrains wird eine Veränderung benötigt, um dem Hörer eine Pause von der gewaltigen Energie der ersten 2 Minuten und 30 Sekunden zu gönnen. Der Songwriter bewältigt dies mit einem radikalen Dynamikwechsel in der Bridge.

3. Einfach mal die Tonart wechseln

Ganz ehrlich – jeder liebt einen guten alten Tonartwechsel. Klar, man kann’s damit auch übertreiben, korrekt eingesetzt kannst du deinen Song damit allerdings auf eine neue Ebene befördern und deine Hörer fesseln! In der Popmusik beinhalten Tonartwechsel meistens einen halb- oder ganztonschritt nach oben – aber auch hier gelten wieder mal keine Regeln. Poplegende Whitney Houston hat hierbei die Norm gebrochen, indem sie in ihrem Song ‘How Will I Know’ eine Verschiebung von 3 Halbtönen – Gb zu Eb – vorgenommen hat. Es gibt viele Songs, welche einen Wechsel zu ihrem relativen Dur oder Moll vornehmen, oder letztlich in einer komplett unverwandten Tonart landen.

Ein exzellentes Beispiel einer modulierenden Bridge findet sich in Taylor Swift’s ‘Getaway Car.’ Der Song startet in C Dur, bleibt während den ersten 2 Strophen und Refrains dort, moduliert dann aber in der Bridge einen Ganztonschritt nach oben, zu D Dur. Dies erzeugt eine Aufregende Überraschung für den Hörer – wir hören nicht nur eine neue Tonart, sondern auch neue Melodien und Lyrics. Die Bridge stellt den Plot Twist perfekt vor, welcher die Grundlage für den letzten Refrain darstellt, der ebenso der neuen Tonart entspricht.

Das gute an diesem Tonartwechsel ist, dass er zwar was Neues für den Hörer darstellt, aber trotzdem auf eine subtile Art und Weise ausgeführt ist. Man merkt, dass etwas anders ist, aber ist es nicht sofort offensichtlich, dass eine Modulation stattgefunden hat. Swift benutzt den Tonartwechsel nicht als letztes Mittel, weil sie keine andere Möglichkeit mehr hat, die Dinge interessant zu gestalten – sie benutzt ihn, um dem Song das zu geben, was er braucht. Das ist eine gute Faustregel, nicht nur für Bridges und Tonartwechsel, sondern generell für jedes Element. Benutz nicht einfach etwas komisches/cooles/anderes nur zum Spaß – benutz es, wenn es deinen Song wirklich besser macht.

Deine nächste Bridge schreiben

Eine Bridge zu schreiben kann herausfordernd sein, aber je mehr du übst, desto besser wirst du werden! Wenn Frust einsetzt oder du vor einer Schreibblockade stehst, während du eine Bridge schreibst, tritt einen Schritt zurück und erinnere dich daran, dass deine Bridge keine 4 Tonartwechsel und eine Trillion neue Hooks braucht, um großartig zu sein. Manchmal sind die einfachsten Bridges die besten. Manche Songs haben noch nicht mal eine Bridge – und das ist auch okay so.

Kira Morrison

Kira Morrison is an LA-based vocalist, songwriter, and arranger